Können Verletzungen der Seele zu einer Schädigung des Herzens führen, kann man also an „gebrochenem Herzen“ sterben? –
Um die Antwort vorwegzunehmen: Man kann – aber man muss es nicht!
Der Kardiologe und Facharzt für Innere Medizin, Dipl.-Med. Peter Walther, ehemaliger Chefarzt in der Paracelsus-Klinik Zwickau und im KKH Greiz, mit langjähriger Erfahrung in der Intensiv- und Notfallmedizin sowie in der Anästhesie war am Freitag, dem 20. Februar zum 180. Lengenfelder Kulturbundgespräch gekommen, um zu erklären, was es mit dem Broken-Heart-Syndrom auf sich hat.
In der Literatur taucht das Phänomen des physischen Kollaps‘ infolge Stress oder extremer Trauer spätestens im Mittelalter auf – zur Perfektion gebracht von Shakespeare und nicht zuletzt von Goethe – als eigenständiges Krankheitsbild wurde es aber erst zu Beginn der 1990er Jahre in Japan offiziell vorgestellt.
„Die Tako-Tsubo-Kardiomyopathie (TTC) ist eine primäre Herzmuskelerkrankung, die durch eine transiente, vornehmlich linksventrikuläre myokardiale Dysfunktion charakterisiert ist.“ (Dr. C. Burgdorf, Prof. Dr. R. Erbel in „Herz“, 4/2010).
Soweit die medizinische Terminologie, und natürlich kam auch Peter Walther nicht umhin, einige Fachbegriffe zu verwenden. Aber es gelang ihm einfühlsam, allen medizinischen „Laiensachverständigen“ die Problematik fundiert nahezubringen.
Wichtig: Die Symptome des Broken-Heart- oder Tako-Tsubo-Syndroms sind weitestgehend die gleichen wie die eines Herzinfarkts, nämlich Brustschmerz, Atemnot, Schwindel, Herzrasen, Schweißausbruch. Deshalb ist bei ihrem Auftreten der Notruf unerlässlich!
Aber die Ursache ist nicht wie beim Herzinfarkt ein Verschluss der Herzkranzgefäße, sondern eine muskuläre Störung, die die linke Herzkammer ballonartig deformiert und ihr Zusammenziehen und damit die Funktion, sauerstoffreiches Blut zu pumpen, einschränkt. Den tatsächlichen Auslöser der Symptome kann man erst mittels Herzkatheteruntersuchung, Herzultraschall und Blutwertanalyse ermitteln.

Namensgebend für die Krankheit ist die aufgeblähte, tabaksbeutelähnliche Form der linken Herzkammer, die den japanischen Erstbeschreiber an eine Tintenfischfalle (jap. tako tsubo) erinnerte.
Die Therapie des Tako-Tsuba-Syndroms erfolgt in der Regel medikamentös mit meist günstiger Prognose. Psychologische Betreuung (am besten durch den behandelnden Arzt!) und Entspannungsübungen können hilfreich sein.
Und noch eine gute Nachricht hatte Herr Walther für uns: Der Rettungsdienst im Vogtland funktioniert; geschultes Personal in der Leitstelle und gut ausgebildete Rettungssanitäter im Zusammenspiel mit dem Notarzt und dem geeigneten Krankenhaus sorgen für schnelle Hilfe. Das erste Glied in der Rettungskette aber ist der Patient selbst bzw. sind seine Angehörigen, die im Notfall durch unverzügliche Reaktion und präzise Schilderung der Umstände die Triagierung erleichtern und die ersten Minuten der „Goldenen ersten Stunde“ nutzen.
Auf seiner Homepage schreibt Herr Walther:
„Beherrschtheit, natürliche Freundlichkeit, Offenheit, ethische Verpflichtung und Empathie sind die wesentlichen Leitlinien meiner ärztlichen Tätigkeit“ – davon hat er die über 60 aufmerksamen Zuhörer durch sein Auftreten überzeugt.

Christian Hascher