Die erste Tagesfahrt 2026 führte am 7. April nach Dresden und Pirna.
Damit der Dank an die Organisatoren nicht als Anhängsel erscheint: Dr. Erich und Christina Riedel hatten alles Nötige in souveräner Weise bedacht und für den perfekten Rahmen gesorgt.

Los ging es um 11:00 Uhr ab Lengenfeld und ohne Stau erreichten wir das Parkhotel auf dem Weißen Hirsch. Eine Führung durch den bekannten noblen Stadtteil war der erste Programmpunkt. Der Historiker und ehemalige Kruzianer Albrecht Hoch (Hochtouren Dresden) wusste auf unterhaltsam sympathische Weise ein Feuerwerk an Wissen, Anekdoten und Literatur abzubrennen. Los ging es mit der Häusergruppe des ehemaligen Lahmannschen Instituts, das der Ausgangspunkt für den späteren Ruhm des ganzen Stadtteils werden sollte.


Der Arzt Dr. Heinrich Lahmann hatte 1888 ein kleines Kurhaus übernommen und begann sofort mit dem Aufbau des exklusiven „Physiatrischen Sanatoriums“. Mit dem Angebot von Diäten, Naturheilkunde, Luftbädern und intensiver Bewegungstherapie wendete sich Lahmann an die zahlungskräftige europäische Oberschicht. Schon 1893 verzeichnete man mehr als 1000 Patienten. Im frühen 20. Jahrhundert lesen sich die Gästelisten wie ein Who-is-who der Goldenen Zwanziger: Kafka, Rilke, Thomas Mann, Rühmann, Zarah Leander … Heute ist das Ganze eine Wohnanlage, in der auch Stanislaw Tillich ein Domizil besitzt.

Nach kurzweiligen Erläuterungen zum damaligen Kurbetrieb wechselte unsere Gruppe in das berühmte Villenviertel.



Herr Hoch konnte zu vielen Häusern Geschichten erzählen. Er berichtete zu den botanischen und architektonischen Vorlieben vergangener und gegenwärtiger Besitzer. Dass er wirklich Insider ist, zeigte sich in kurzen persönlichen Gesprächen, die über den Gartenzaun mit Anwohnern geführt wurden. Besonders beeindruckend war, dass an passenden Orten halbe Seiten aus Uwe Tellkamps Buch „Der Turm“ auswendig vorgetragen werden konnten. Der Roman gilt als Denkmal des Weißen Hirschs der DDR-Zeit, und sein Autor wurde nicht zu Unrecht mit Thomas Mann verglichen.

Als krönenden Abschluss gab es dann die Erläuterung des Dresdner Panoramas von der Terrasse des Luisenhofes aus und die Fahrt mit der Standseilbahn nach unten zum Blauen Wunder.

Unser Busfahrer wählte nach Pirna eher die schönste als die allerkürzeste Strecke mit interessanten Villen und Gärten. Das Gesamtkunstwerk Tom Pauls war aber das Hauptereignis der Fahrt. Kulinarisch ging es los mit Kaffee (kein „Blümschen“), Eierschecke und -likör nach Ilse Bähnert.


Das Tom Pauls Theater im Haus von Peter Ulrich, dem Baumeister der Pirnaischen Stadtkirche St. Marien, zeigt mustergültig, wie man ein reiches Bürgerhaus aus dem 16. Jahrhundert sanieren und aktuell nutzen kann.


In der abschließenden Theatervorstellung „Ilse Bähnerts Tubamania“ blieb dann kein Auge trocken, und Musik vom Feinsten setzte das Sahnehäubchen auf. Die Handlung: Die Wohnung unter der Bähnert wurde neu an den Tubavirtuosen Prof. Jörg Wachsmuth vermietet, den Ilse zum Kaffee und auch zu geistigen Getränken einlädt, dieser bringt wiederum seine Begleitpianistin Masumi Sagakami mit. Nach dieser Grundidee kann eigentlich nichts mehr schiefgehen: Die Bähnert kann plaudern und sich dabei auch mal um Kopf und Kragen reden. Wachsmuth brilliert mit Rimski-Korsakovs Hummelflug in 52 Sekunden, und Frau Sagakami beweist ihr Können mit meisterhaft vorgetragenen Stücken von Chopin und Liszt. Kunst und Klamauk gleichzeitig entfalten drei höchst amüsante Lieder nach Texten von Christian Morgenstern für Stimme bzw. Physiognomie (Bähnert-Pauls), Klavier und Tuba. Bis zum furiosen Finale war es des Lachens und auch des Genießens kein Ende.
Tom Pauls zeigte einmal mehr, dass ohne ihn die sächsische Theaterszene um einiges ärmer wäre.
Text: Dr. Joachim Handschack
Fotos (die am Weißen Hirsch n i c h t die Gruppe unter Führung von Herrn Hoch zeigen): Christian Hascher