Einen nahezu magischen Abend, den sicher nicht alle der zahlreich erschienenen Gäste des 179. Lengenfelder Kulturbundgesprächs so erwartet hatten, bot am Freitag, dem 16. Januar  2026 die aus Lengenfeld stammende Illustratorin und Grafikdesignerin Julia Kluge.

In einem perfekt präsentierten Vortrag, der die Besucher visuell und auditiv sofort fesselte, spürte jeder unbewusst die Wirkung des „Graphic Recordings“ – Bilder sind in der Lage, Worte sichtbar zu machen und Gedanken eine Gestalt zu geben.

Julia Kluge begann ihre „Berufsorientierung“ quasi schon als Kind mit selbsterdachten Bildern und Geschichten. Eines ihrer Vorbilder ist Ilon Wikland, die estnisch-schwedische Illustratorin vor allem vieler Kinderbücher von Astrid Lindgren.

Julia erfuhr ihre fundierte Ausbildung u. a. an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle und der Universität der Künste Berlin. Ihre Masterarbeit als Illustratorin „Zwischen den Zweigen zwitschert ein Waldhorn“ wurde 2017 vom Verlag Rotopol als Buch herausgegeben.

Inzwischen sind weitere Veröffentlichungen erschienen, wie das als eines der schönsten deutschen Bücher 2024 von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnete „Wo dichte Äste wild sich ranken“, aufgenommen in die Kataloge der Lyrikempfehlungen für Kinder – die Illustratorin tritt also ebenso als Autorin auf.

Daneben veranstaltet sie Zeichen- und Druck-Workshops, etwa an der Burg Giebichenstein, wo Studenten unter ihrer Leitung Einbände für die bekannten „Insel-Bändchen“ gestalteten.

Ausstellungen ihrer Werke waren in Prag, Turin und Brüssel, aber auch im „Café Zwischenfisch“ in Leipzig zu sehen.

Als freischaffende Illustratorin und Grafikdesignerin erledigt sie natürlich ebenfalls kommerzielle Aufträge für Agenturen, Verlage und Magazine, so für die „Times“, „Le Monde“ oder „Cicero“. Die Palette reicht dabei von historischen und politischen Themen bis zu Werbedesign.

Eine außergewöhnliche Arbeit ist die Neugestaltung von Ankerbausteinen (NEW PLAY), für Julia eine Metapher der Schöpfungsgeschichte – vom Sandkorn zu großen Strukturen, vom Chaos zur Ordnung in der Vielfalt.

Woher rühren Julias Inspirationen und wie entstehen ihre Bilder?

Auch darauf erhielten die Kulturbundfreunde Antwort: Wie Ilon Wikland bekommt sie Anregungen zu Bildern und Figuren aus Alltagssituationen, beim Wahrnehmen kleiner Begebenheiten, beim Betrachten der Natur, aber auch aus alten Märchenbüchern oder der Darstellung  mittelalterlicher Jagdszenen und sogar durch die erkennbaren Charaktere in Kontaktanzeigen!

All das wird erst einmal als Bleistiftskizze festgehalten, gleich oder später zusammen mit analogen Strukturen (z. B. Scherenschnitten) eingescannt und mit Bildbearbeitungsprogrammen kombiniert, bewegt und koloriert.

Aber auch in der Siebdrucktechnik hat Julia Beachtliches vorzuweisen:

Und wie war das mit dem Großmuttergesetz?

Julias Credo: „Für mich ist es das größte Geschenk, Freude daran zu haben, was ich mache.“

Was kann es Besseres geben?

 

 

Christian Hascher